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 Foto © Georg Kroneis

Foto © Georg Kroneis

Thomas Höft – kurz

Ich produziere Kunst. Das hat viele Vorteile, und hier sind meine drei liebsten:

1. Entgegen vielen anderen Dingen, die man dringend zum Leben braucht, ist Kunst nicht überlebensnotwendig, auch wenn manche das Gegenteil behaupten. Und ihr Wert ist völlig imaginär. Gut, ein Gemälde von Picasso oder eine Violine von Stradivari haben einen Brennwert, aber das war es dann auch schon fast (wenn man den Versicherungswert mal beiseite lässt). Dafür ist die Freiheit, etwas zu schaffen, das nicht notwendig ist und grundsätzlich wertlos, unermesslich schön.

2. Nichts verbraucht so wenig materielle Ressourcen wie das Herstellen von Kunst. Gerade beim Schreiben oder Reden. Imaginationen vergiften höchstens das Denken, aber nicht die Umwelt.

3. Man lernt so viel.
 


Thomas Höft – persönlich

Ich bin im Wendland geboren, am Rande der Lüneburger Heide, im Nichts des ehemaligen Zonenrandgebiets. Aufgewachsen bin ich im Krieg. Mein Großvater, ein halbblinder Hilfsarbeiter, lebte in meiner Jugend in den Siebzigern immer noch in den Schützengräben von Ypern und jenen an der Somme, meine Mutter, eine Hausfrau mit sehr später aber umso schönerer Schauspielkarriere, auf der Flucht aus ihrem geliebten Sternberg und im Bombenhagel von Frankfurt an der Oder.

Ich war sechzehn, als der Wald von Gorleben brannte, und habe die Gründung der Grünen Alternativen Liste auf dem Schulhof miterlebt. Beim Demonstrieren konnte man dort weltberühmte Künstler einfach im Vorbeigehen kennenlernen. Mit H.C. Artmann habe ich ferngeschaut - „alles, bloß keine Krankenhausserien...“, wir waren beide Hypochonder, mit Gerald Humel Liebe und Hass zu den USA diskutiert und mit Erich Reischke die Geheimnisse der Abstraktion gelöst. Mit AR Penck haben wir im Garten Apfelkuchen gegessen und gezeichnet, und mit Edda Rosemann Videos gedreht und überhaupt alles in Frage gestellt. Das hätte eigentlich schon gereicht. Außerdem hab ich aber zufällig im Fernsehen Götz Friedrichs Inszenierung von „Lohengrin“ gesehen, da war ich siebzehn, und wusste, dass ich Opern dichten wollte. Ich konnte mir nur noch nicht vorstellen, wie. Und als ich per Autostopp nach Hamburg in die Oper trampte, da war ich zwanzig, legte meine Mitfahrgelegenheit in ihrem VW-Käfer eine Kassette mit Bachs Motetten ein, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt. Ich hatte nicht die geringste Ahnung von Historischer Aufführungspraxis, aber es hat mich umgehauen. Auf die dringliche Frage, wo man denn mehr erfahren könne, empfahl mir die Fahrerin die Seminare der Tage der Alten Musik in Innsbruck, wo ich schließlich auch hinpilgerte, jeden Sommer. Inzwischen hatte ich studiert und ein Volontariat bei der heimischen Elbe-Jeetzel-Zeitung begonnen. Dass mir H.C. Artmann schließlich die Möglichkeit zu meiner ersten Theateruraufführung an den Hamburger Kammerspielen verschaffte, Götz Friedrich sogar zwei Opern bei mir bestellte und inszenierte, und ich schließlich 23 Jahre an der Seite von Nikolaus Harnoncourt das Festival styriarte mitgestalten durfte, ist mir dann zwar irgendwie logisch vorgekommen, aber auch eher passiert, als dass es wirklich geplant war.

Inzwischen sind die meisten der eben Erwähnten tot. Und das Buch „Die Uraufführungen an der Wiener Staatsoper 1869-2010“ endet mit meinem „Pünktchen“. Mehr habe ich mir beim besten Willen nie vorstellen können. Also bin ich endlich beim Unvorstellbaren angelangt. Und sehr neugierig, was daraus wohl wird. 

 


Thomas Höft – offiziell

geboren 1961 in Lüchow-Dannenberg, Deutschland. Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Musikwissenschaften und Sprachpsychologie an der Universität Hamburg, Magister Artium. Volontariat und Gründung des überregionalen Feuilletons der Elbe-Jeetzel-Zeitung.

Thomas Höft arbeitet als Autor, Regisseur und Dramaturg in sehr unterschiedlichen Bereichen der Kunst. Er verantwortet große historische Themenausstellungen in deutschen und österreichischen Museen und schreibt Sachbücher – für „Welt aus Eisen“ wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis Buchkunst ausgezeichnet. Vor allem aber ist er mit zahlreichen Theaterstücken und Opernlibretti bekannt geworden, u.a. für die Deutsche Oper Berlin, die Komische Oper Berlin und die Bregenzer Festspiele. Bisheriger Höhepunkt war 2010 an der Wiener Staatsoper die Uraufführung von Thomas Höfts Oper „Pünktchen und Anton“ nach Erich Kästner zur Musik von Iván Eröd. Durch Götz Friedrich zu ersten Regiearbeiten ermutigt, nimmt die Musiktheaterregie einen kontinuierlich immer gewichtigeren Raum in Thomas Höfts Schaffen ein.

Seit 1994 arbeitet Thomas Höft als Dramaturg des Festivals styriarte Graz, das für Nikolaus Harnoncourt gegründet wurde. Seit 2003 ist er auch Dramaturg des Osterfestivals Psalm Graz. Zudem war er Intendant des Brandenburger Theaters, der Bewerbung Augsburgs zur Kulturhauptstadt Europas und des Festjahres Pax2005 zum Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens. Von 2012 bis 2018 war er Direktor des Kölner Zentrums für Alte Musik (ZAMUS) und Künstlerischer Leiter des Kölner Festes für Alte Musik. 2018 und 2019 verantwortet er die Dramaturgie der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Als Gründer und Vorstand der Kölner Offenbach-Gesellschaft ist Thomas Höft maßgeblich an der Vorbereitung des großen Offenbach-Jubiläums 2019 beteiligt. 

Thomas Höft - short

I produce art. This has many advantages, and here are my three favourite:

1. In contrast to many other things that are urgently needed for life, art is not required for survival, even if some say the opposite. And its value is completely imaginary. Well, a painting by Picasso or a violin by Stradivari do have a calorific value, but that's about it (leaving the insurance value aside). The freedom to create something that is not necessary and is fundamentally worthless is immeasurably beautiful.

2. Nothing consumes as little material resources as producing art. Especially concerning writing and talking. If anything, imagination poisons thought, not the environment.

3. You learn so much.
 


Thomas Höft – privately

I was born in the Wendland, on the spurs of the Lüneburger Heide, in the nothingness of the former east west border zone. I grew up in war. When already in my teens in the 70s my grandfather, a half-blind laborer, was still living in the trenches of Ypres and those close to the Somme, my mother, a housewife with a very late coming yet stunning acting career, was still fleeing from her beloved Sternberg and seeking shelter from the bombings of Frankfurt an der Oder.

I was sixteen when the Gorleben forest was burning and I witnessed the very first moments of the Green Alternatives movement in our neighbourhood. While demonstrating world famous artists would just happen to pass by. With H.C. Artmann I watched TV - "Everything, just no hospital series!“... we were both hypochondriac. With Gerald Humel discussions about the love for and hatred towards the United States when with Erich Reischke solving the secrets of abstraction. With AR Penck we sat and baked apple pie in the garden and made videos with Edda Rosemann thus questioning everything. That would have been enough already. Yet, I happened to experience Götz Friedrich's production of "Lohengrin" on television when I was seventeen, and immediately knew that I wanted to write operas. I just could not imagine how. And when I hitchhiked to the opera going to Hamburg, I was twenty, my ride in a VW Beetle would be accompanied by a cassette with Bach's motets, conducted by Nikolaus Harnoncourt. I did not have the slightest idea about historical performance practice, but it blew me right away. On the urgent question, where one could learn more, the driver recommended me the seminars of the days of early music in Innsbruck, where eventually I would end up every summer. Meanwhile, I had studied and started a traineeship at the local Elbe-Jeetzel-Zeitung. H.C. Artmann finally procured the opportunity for my first theater performance at the Hamburger Kammerspiele, Götz Friedrich commissioned and also staged two of my operas with me, and I was able to co-work for 23 years alongside Nikolaus Harnoncourt at styriarte music festival. All of which seems totally obvious and very well thought of, yet it all rather happened than it was actually planned out.

Meanwhile, most of those mentioned above are dead. And the book "The Premieres at the Vienna State Opera 1869-2010" ends with my "Pünktchen". I could never have imagined anything more than that. So I finally arrived at the unimaginable. Very curious, what will become of it. 
 


Thomas Höft – officially

born 1961 in Lüchow-Dannenberg, Germany. Studied art history, literature, musicology and psycholinguistics at the University of Hamburg, Magister Artium. Traineeship and foundation of the supraregional feuilleton of the Elbe-Jeetzel-Zeitung.

Thomas Höft works as a writer, director and dramaturge in very different fields of art. He is responsible for major historical thematic exhibitions in German and Austrian museums and writes non-fiction books - for „Welt aus Eisen“ (“Shiny shapes”) he was awarded the Austrian State Prize for Book Art. Above all, he has become known for his numerous plays and opera librettos for the Deutsche Oper Berlin, the Komische Oper Berlin and the Bregenz Festival. So far the highlight of 2010 was the premiere of Thomas Höft's opera "Pünktchen und Anton" after Erich Kästner to the music of Iván Eröd at the Vienna State Opera. Introduced by Götz Friedrich to the world of music theater directing this field became a steadily increasing focus in Thomas Höft's oeuvre.

Since 1994 Thomas Höft works as a dramaturge of the Festival styriarte Graz, which was founded for Nikolaus Harnoncourt. Since 2003 he is also a dramaturge of the Easter Festival Psalm Graz. He was also director of the Brandenburg Theater, the application of Augsburg for European Capital of Culture and the Pax2005 anniversary year for the anniversary of the Augsburg religious peace. From 2012 to 2018 he was director of the Cologne Center for Early Music (ZAMUS) and Artistic Director of the Cologne Festival of Early Music. In 2018 and 2019 he will be responsible for the dramaturgy of the Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. As the founder and CEO of the Cologne-based Offenbach society, Thomas Höft is instrumental in the preparation of the great Offenbach anniversary in 2019.